Obama empfängt den Dalai Lama und die chinesischen Machthaber fühlen sich verletzt

Seine Heiligkeit der Dalai Lama wurde am 17.07.2011 von US Präsident Obama empfangen, und das kommunistische Regime in Peking reagiert sehr pikiert. Es verhält sich wieder einmal  wie jemand, der einen Gesichtsverlust befürchtet. Es ist lächerlich,  einem souveränen Staatsoberhaupt  vorschreiben zu wollen, wen es zu empfangen und wen es nicht zu empfangen hat. Das chinesische kommunistische Regime will nicht, dass durch solche Treffen und ähnliche Maßnahmen seine grausamen Vergehen in Tibet in der Öffentlichkeit publik werden. Aber es nennt solche Treffen oder Maßnahmen nicht einfach unerfreulich für die chinesische Regierung, sondern nennt sie eine Beleidigung der chinesischen Nation und eine Verletzung der Gefühle des chinesischen Volkes. Die allgemeine Bevölkerung in China ist schuldlos, und kein Mensch kommt auf die Idee sie anzuprangern. Es ist für die Machthaber der kommunistischen Partei Chinas völlig klar, dass ihre Bevölkerung das Vertrauen in den Kommunismus verloren hat. Deshalb versuchen sie alles, was gegen ihre Politik gesagt wird, als Beleidigung und Gefühlsverletzung der chinesischen  Nation und ihrer Bevölkerung darzustellen. Damit versuchen sie, ihre Bevölkerung für dumm zu verkaufen und hoffen, was teilweise auch gelungen ist, sie auf ihre Seite zu ziehen und dass sie  in ihrem Sinne reagiert.

 

Seine Heiligkeit der Dalai Lama will in Vertretung aller Tibeter nicht mehr und nicht weniger als eine real praktizierte Autonomie für Tibet gemäß der chinesischen Verfassung und des aufgezwungenen 17-Punkte-Abkommens zwischen China und Tibet von 1951. Er will, dass die Menschenrechte der Tibeter nicht mit Füssen getreten werden, wie es praktisch seit der Besetzung Tibets durch die  Kommunisten Chinas tagtäglich bis heute geschieht. Er will den Tibetern ihre Kultur, Sprache, Religion und ihr Selbstbestimmungsrecht wieder zukommen lassen. Diese Rechte gehen alle Menschen in der ganzen Welt an und sind keine innere Angelegenheit irgendeiner Nation oder eines Landes.

 

Das kommunistische Regime in China wirft Seiner Heiligkeit dem Dalai Lama vor, dass er die Unabhängigkeit Tibets anstrebe und dadurch China spalten wolle, was überhaupt nicht zutrifft. Seine Heiligkeit der Dalai Lama will, dass Tibet mit Autonomierechten innerhalb Chinas bleibt. Dafür sind genügend Bestrebungen von den Tibetern unter seiner Leitung unternommen worden. Er propagiert seine Vorhaben öffentlich überall, und was er sagt, das meint er auch so. Selbst wenn er die Unabhängigkeit Tibets verlangen würde, wäre das auch sein legitimes Recht. Tibet war ein unabhängiges Land, und Seine Heiligkeit der Dalai Lama war das legitime Oberhaupt dieser Nation, und 99% der Tibeter haben immer noch vollkommenes Vertrauen in ihn. Es wäre vollkommen legitim, wenn die Unabhängigkeit Tibets verlangt werden würde. Aber Seine Heiligkeit der Dalai Lama sieht mehr Nutzen für die Tibeter und auch die Chinesen, wenn sie als eine Nation zusammenbleiben.  Was ihn  selber angeht, so tritt er nach über sechzig-jährigen Vorbereitungen freiwillig von der Politik zurück. Politisch ist er zurückgetreten.

 

Seine Bemühungen, Tibet zu reformieren, gehen zurück bis 1952. Seit April 1959 gründete Seine Heiligkeit nach seiner Flucht aus Tibet eine Zentrale Tibetische Administration mit dem Kashag (Kabinett) als höchstem Exekutivorgan. 1960 bekam die Tibetische Administration eine von den Exiltibetern gewählte Volksvertretung (Exil-Parlament) im Legislativbereich. 1992 kam die Judikative hinzu. Seit 2001 wird der Kabinettsvorsitzende (oder Premierminister) direkt von den Exiltibetern gewählt. Diese demokratisch gewählte Zentrale Tibetische Administration mit ihrem Kabinettsvorsitzenden trug seitdem bis 2011 zusammen mit Seiner Heiligkeit dem Dalai Lama alle politische Verantwortung. 2011 übertrug Seine  Heiligkeit der Dalai Lama die gesamte politische Verantwortung an die gewählten Organe.

Er will natürlich immer da sein, wenn sein Rat gebraucht wird. Ansonsten verpflichtet er sich, weiter für die Menschheit allgemein und für die interreligiöse Verständigung zu arbeiten.

 

Es ist erbärmlich, aus wirtschaftlichen Gründen alle grausamen Menschenrechts-verletzungen durch das chinesische kommunistische Regime in Tibet, in der Mongolei, in Singkiang (Ostturkistan) und auch in China zu verschweigen und damit diesem Regime die Lizens zu ihren Untaten zu geben. Man muss sich in die Haut der Tibeter, Mongolen, Uiguren und der allgemeinen Bevölkerung in China hineinversetzen und sich vorstellen, wie man sich selber bei diesen Zuständen fühlen würde. Wie ist es, die  eigene Sprache und die eigene Kultur nicht pflegen zu dürfen, keine eigene Meinung äußern zu dürfen und kein Selbstbestimmungsrecht zu haben. Wie ist es, wenn man die eigene Religion nicht pflegen darf. In Tibet wird alles von dem fremden bzw. kommunistischen Regime Chinas bestimmt. Stellen Sie sich vor, Sie müssten all dieses erdulden. Es ist immer wieder verletzend, wenn jemand in einem Satz einfach sagt, „natürlich Tibet gehört zu China“, oder wenn ein Tibeter als Chinese bezeichnet wird mit der Begründung, „Tibet gehört doch zu China“ oder „Tibet ist in China“. Was die Tibeter durch die völkerrechtswidrige Besetzung ihres Landes verloren haben und was die Tibeter seitdem und immer noch und in letzter Zeit noch schlimmer leiden müssen, wird ausgeklammert.

 

Wirtschaftsbeziehungen ja, aber Menschenrechte gehen uns alle an, und darüber muss man offen sprechen dürfen. Wenn man die Menschenrechtsverletzungen stillschweigend hinnimmt, billigt man diese. Es geht nicht darum, die Täter zu verteufeln oder zu verurteilen, sondern darum, die Untaten zu benennen und ihnen Einhalt zu gebieten.

 

Menschenrecht wird in westlichen Ländern sehr groß geschrieben. Aber wenn man selber nicht unmittelbar betroffen ist, interessiert man sich sehr wenig dafür und meint, was geht     

mich das an. Um die eigenen Interessen nicht zu gefährden, schweigt man lieber dazu. Es ist so heuchlerisch. Man studiert mehrere Jahre, und trotzdem ist man nicht in der Lage, logisch und menschlich ehrenhaft zu denken. Das ist sehr traurig. Da nützt die ganze Schulbildung und ein langes Studium nichts, wenn das das Ergebnis ist.

 Tsering Ngodup, Heidelberg den 19.07.2011

རྗར་འཁོད་བོད་རིགས་ཚོཌ་པའི་གལ་ཆེ་གསལ་བསྒྲགས།
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