Nachrichten über Tibet

'Tibets neue Aristokratie schlimmer als die alte'

 

China mag die tibetische Aristokratie vor 1959 als tyrannisch und ausbeuterisch verurteilen. Aber nach der chinesischen Thinktank Gongmeng Consulting Co., Ltd. (oder der Open Constitution Initiative), die 2003 von Juraprofessoren der Beijing Universität, denen sich viele Beijinger Wirtschaftsprofessoren anschlossen, gegründet wurde, ist die neue Aristokratie, die die alte ersetzt hat, noch schlimmer. Ihr Bericht sagt, dass die chinesische Herrschaft in Tibet auf ethnischer Ungleichheit gegründet sei und eine sich selbst bedienende Elite verewige.

Zu diesem Ergebnis kam - laut ihrem Blog vom 19. Mai 2009 auf der Fool's Moutain Website, eine Feldforschung von Mitgliedern des 'Thinktank' nach den März-2008-Protesten auf dem ganzen tibetischen Plateau.

„Ihre Entdeckung (d.h. die der 'Thinktank'-Leute) ist erstaunlich. Sie fanden heraus, dass eine neue tibetische Aristokratie an die Macht gekommen ist. Diese Aristokratie ist noch schlimmer als die alte tibetische Aristokratie. In dem alten System war die Aristokratie angewiesen auf eine Art Zustimmung und Einigkeit mit der Bevölkerung, weil sie von der Bevölkerung abhängig war, die ihnen Steuern zahlte. Die neue Aristokratie bekommt aus 'Stabilitätsgründen' all ihre Gelder direkt von Beijing (von der Zentralregierung). Deshalb hat sie keinen Anreiz, sich um das Wohlergehen der Tibeter zu kümmern.

Der Report zeigt, wie die neue Aristokratie ihre eigene Schwäche in Regierungsführung und Qualifikation vertuscht, indem sie mit dem Finger auf ausländische Kräfte und den Dalai Lama zeigt. Diese neue Aristokratie kam in der Kulturrevolution an die Macht. In anderen Teilen Chinas wurde diese Art unqualifizierter Führungsriege in den 80er Jahren beseitigt. Aber in Tibet wurde sie wegen ihrer absoluten Loyalität zu Beijing bis heute an der Macht gelassen.

Weiter macht der Bericht auf speziell erziehungspolitische Probleme aufmerksam und findet, dass die jüngere Generation von Tibetern, die im 'befreiten' Tibet aufgewachsen ist, ein stärkeres tibetisches Identitätsgefühl hat als die ältere Generation.“

Der Report wurde seit seiner Veröffentlichung von führenden internationalen Nachrichtendiensten aufgegriffen. So sagte der Sydney Morning Herald (Australien) am 22. Mai (2009), dass der Bericht beschreibe, wie Beijings Bemühungen, seit 1989 Ströme von Geld nach Tibet zu pumpen, sich als spektakulär kontraproduktiv erwiesen hätten. Nebenbei zitiere er den achtzigjährigen tibetischen Kommunisten Phuntsog Wangyal, der gesagt habe: „Sie benutzen jede Gelegenheit, um ihre separatistische Karte zu spielen. …. Sie werden alles versuchen, die Schuld den 'feindlichen Überseemächten' anzulasten, weil das der einzige Weg ist, um ihre Interessen und ihren Status zu konsolidieren und ihnen schließlich mehr Macht und Reichtum zu sichern.“

Der Report schildere ausführlich, wie die Antwort Beijings auf die Aufstände im März-April 2008 mit dem mächtigen Aufmarsch von Sicherheitskräften und Propaganda die ethnischen Tibeter noch weiter entfremdet hat. Sogar Tibeter mit einem Mitgliederausweis der kommunistischen Partei wurden allein wegen ihrer tibetischen Nationalität bei ihrem Besuch in Beijing während der Olympischen Spiele letztes Jahr als Sicherheitsgefahr eingestuft.

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Der Report sagte, dass die Feldforschung von 4 Journalismus-Studenten der Pekinger Universität durchgeführt wurde, die im Juli (2008) nach Lhasa und in eine Region der Provinz Gansu reisten.

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Die tibetische Dichterin und Blog-Aktivistin Tsering Woeser, die in Beijing lebt, bezeichnet diesen Report als äußerst wichtig in der jetzigen Situation: „Dies ist ein seltener und wertvoller Bericht in der jetzigen Situation der einseitigen offiziellen Propaganda“, hätte sie gesagt.

„Dies ist die erste unabhängige Analyse der Situation in Tibet aus China selbst “, zitierte der Telegraph.co.uk-Bericht (vom 22. Mai 2009) Nicholas Becquelin, einen Forschungsdirektor der Human Rights Watch, USA. Er nannte den Report einen Bruch in der Reihe 'hoch ideologischer' Berichte.

Der Telegraph.co.uk-Bericht (vom 22. Mai 2009) erwähnte, dass sogar alte Parteifunktionäre wie Feng Lanrui, der früher 'State Council Stratege' war, zu dem Kreis von Beratern des 'Think-Tanks' gehören.

Der Bericht zitierte Yang Ziyun, die Herausgeberin des Reports, sie habe gesagt, dass der Report Unterstützung auf Internet-Foren gefunden habe, aber noch formell veröffentlicht werden müsse. „Wir sind uns nicht sicher, wie er aufgenommen werden wird.“

Der Bericht ist auf Chinesisch unter https//docs.google.com/Doc?id=df4nrxxq_91ctcf6sck

zu lesen.

 

übersetzt aus : Tibetan Review, June 2009, Seite 4 (Tsering Ngodup, Heidelberg)

རྗར་འཁོད་བོད་རིགས་ཚོཌ་པའི་གལ་ཆེ་གསལ་བསྒྲགས།
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